Sie machen ihr Hobby zum Beruf
In Pinneberg-Waldenau hat ein neuer Modelleisenbahnladen eröffnet
BENDIK ZEIGT, WAS VATER CARSTEN WEHNER (RECHTS) UND ONKEL SVEN BRANDT ZUKÜNFTIG ANBIETEN. BASTIAN FRÖHLIG
„Pinneberg hat wohl mehr als einen Marktplatz“, stellt Thomas Hoger fest, als er den Modelleisenbahnladen in Waldenau-Datum betritt. Pinneberg und Marktplatz hatte der Henstedt-Ulzburger in sein Navigationsgerät eingegeben. Doch sein Ziel lag am Waldenauer Marktplatz. In die ehemalige Niederlassung der Axa-Versicherung sind Carsten Wehner und Sven Brandt mit Modellbahn Pinneberg eingezogen.
Wehner ruft hektisch die Homepage auf und schaut ins Impressum und die Anfahrtsbeschreibung. „Stimmt alles“, stellt er zufrieden fest. Hoger winkt ab: „Das war wohl eher unser Fehler.“ Zusammen mit Wolfgang Elbracht aus Ellerbek gehört er zu den ersten Kunden in Waldenau. „Nur online gucken ist doch langweilig“, sagt Hoger. Messen und Veranstaltungen rund um sein Hobby seien seit März alle abgesagt worden.
DIE MODELLEISENBAHNFANS THOMAS HOGER (LINKS) UND WOLFGANG ELBRACHT GEHÖRTEN ZU DEN ERSTEN KUNDEN DES NEUEN GESCHÄFTS IN WALDENAU-DATUM. SIE WOLLTEN ENDLICH MAL WIEDER ZÜGE LIVE UND NICHT NUR IM INTERNET SEHEN. BASTIAN FRÖHLIG
Viele Geschäfte geben auf Immer mehr Modelleisenbahnläden schließen. Zum Ende des Jahres gibt auch der Modellbahnladen in Barmstedt auf (wir berichteten). Im Kreis Pinneberg gibt es mit Modellbahn-Total in der Lornsenstraße in Schenefeld und Modellbahn Elmshorn in der Straße Langelohe noch zwei weitere Angebote. Das Schenefelder Geschäft bleibt entgegen anders lautender Gerüchte auch weiterhin geöffnet. Das bestätigte der Besitzer gestern auf Anfrage unserer Zeitung. Mit den noch vier Läden ist der Kreis Pinneberg gut aufgestellt, wie Hoger ausführt: „In Nordrhein-Westfalen gibt es noch große Läden, aber selbst in Hamburg nicht mehr, außer in der Innenstadt, aber dahin zu fahren, habe ich keine Lust.“
Schnell wird er in dem Pinneberger Geschäft fündig. Dekoration für die heimische Bahn wird gekauft. „Irgendwas findet man immer. Für die Modellbahn braucht man immer etwas. Man hat nie genug“, sagt Hoger, der den Youtube-Kanal „Der Ulzburger“ betreibt. Sein Thema: Modelleisenbahnen.
Elbracht verlässt das Ladenlokal mit leeren Händen. Er hat eine Gartenbahn in der Spurbreite LGB. „Das ist sehr ungewöhnlich“, sagt er. Wehner verspricht: „Wenn du etwas brauchst, können wir es bestellen.“
Mitten in der Corona-Zeit haben Wehner und Brandt ihr Geschäft eröffnet. Warum? „Modellbahn ist mein Hobby. Es ist die klassische Geschichte“, sagt Wehner und erzählt sie: „Als Kind hatte ich eine Modellbahn, mit 16 waren andere Themen wie Alkohol und Frauen wichtiger, dann kamen Studium, Arbeit und Familie. Dann kamen andere Zeiten und wieder mehr Zeit für das Hobby“, sagt Brandt, der hauptberuflich im IT-Vertrieb tätig ist.
20 Jahre Erfahrung mit digitalen Modellbahnen Sein Schwager Brandt bekam ebenfalls als Kind seine erste Modelleisenbahn, hat das Hobby aber nie aufgegeben, sondern zum Beruf gemacht. Seit mehr als 20 Jahren ist der Diplom-Ingenieur selbstständig und digitalisiert Modellbahnen, entwickelt technische Lösungen, produziert und vertreibt sie. „Bundes- und man kann sogar sagen weltweit“, erläutert er.
„Wir sind eine Eisenbahnerfamilie“, sagt Wehner und zählt außer seinem Schwager und sich selbst auch den Schwiegervater auf. Sein zwölfjähriger Sohn Bendik sei eher von Spielkonsolen fasziniert. Doch wie kam es vom Hobby zum Laden? „Wir haben vor einem halben Jahr einmal darüber nachgedacht“, sagt Wehner. Dann habe sich ein Teil zum anderen gefügt. „Die Läden in Wedel und Bad Bramstedt wurden geschlossen und dann wurde das Ladenlokal hier frei“, berichtet Wehner.
Digitaltechnik und bekannte Marken Service und dabei vor allem Digitaltechnik sollen außer den bekannten Marken wie Märklin, Trix oder Noch im Fokus stehen. „Digitaltechnik kann nicht jeder und wir bringen jahrelange Erfahrung mit“, ist Wehner vom Erfolg überzeugt. „Wir hoffen auf Zuspruch, müssen aktuell aber nicht davon leben.“ Brandt wirft ein: „Wir machen es, weil wir Spaß an der Sache haben. Es ist kein Geschäft, um in erster Line davon zu leben und zwei Familien zu ernähren. Es steckt viel Begeisterung fürs Hobby drin. Es ist für mich etwas ganz anderes als wenn ich Müsli verkaufen müsste.“ Angst vor Online-Konkurrenz haben die beiden nicht. „Wir sind auch mit einem Shop im Internet vertreten und können attraktive Preise bieten“, ist Wehner überzeugt.
„In den 1970er und 1980er Jahren war die Modellbahn das Hobby. Bei vielen ist es eingeschlafen, aber viele sind auch wieder eingestiegen“, sagt Brandt. „Man ist Schaffner, Landschaftsgärtner, Architekt, Techniker, Straßenbauer. Man kann alles machen. Ich kann es als Hobby nur empfehlen.“ Vor allem auch der jungen Generation: „Immer nur in einen Bildschirm schauen ist doch langweilig. An der Modellbahn kann man sich ausleben.“
Zielgruppe sind vor allem Erwachsene Doch die Zielgruppe des Ladens seien vor allem Erwachsene. „Mit 400 Euro kommt man leider bei einer Modellbahn nicht weit. Da kann man ein Starterset kaufen, aber das war es dann schon“, sieht Brandt ein Problem für Neueinsteiger.
„Wir stehen uns hier nicht den ganzen Tag die Beine in den Bauch. Das macht keinen Sinn“, sagt Wehner. Die Unternehmer setzen nicht auf Laufkundschaft. Daher war der Standort fast egal – solange er nicht zu teuer ist und möglichst Parkplätze in der Nähe sind. Wehner und sein Schwager Brandt sind in der Szene vernetzt, haben ihre Kontakte angeschrieben. „Da viele Kunden Erwachsene sind, die arbeiten, haben wir auch die Öffnungszeiten angepasst“, erläutert Wehner. Donnerstags und freitags ist am Waldenauer Marktplatz 2-4 von 16 bis 19 Uhr, sonnabends von 10 bis 13 Uhr geöffnet. Ab dem 24. Oktober sollen sich die Türen auch dienstags von 10 bis 16 Uhr öffnen. „Auch wenn es nicht unser Hauptjob ist, sollen sich die Kosten finanzieren“, sagt Wehner. „Normalerweise will ich bis 60 Jahre weiterarbeiten und es als Hobby betreiben, aber wenn es gut angenommen wird, müssen wir überlegen, ob wir es nicht ausweiten.“
www.modellbahn-pinneberg.de